Heutiges Thema ist der Erziehungsbegriff nach Kant.
Immanuel Kant (1724-1804) war ein deutscher Philosoph der Aufklärung.
Dieser Beitrag ist ein reiner Theoriebeitrag, um aufzuzeigen, was Kant damals unter dem Begriff Erziehung verstanden hat.
„Der Mensch ist das einzige Wesen, das erzogen werden muß“ (Kant 1803)
Es gab sicherlich schon viele Diskurse zum Thema Erziehung. Vielleicht ist euch das Bild des Gärtners und des Bildhauers bekannt. Beide Figuren verbildlichen Erziehung. Der Gärtner setzt auf die Gene und lässt seine Pflanze gedeihen. Der Bildhauer hilft etwas nach und lässt seinen Stein zu dem werden, was er will. Da fragt man sich, was ist denn nun 'richtig'?
Seinen Erziehungsprozess hat er in vier Stufen geteilt.
I. Disziplinierung (Eindämmung der entwicklungshinderlichen „tierischen Natur“)
II. Kultivierung (Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten)
In dieser Stufe sollen alle Kentnisse und Fähigkeiten erlernt werden, die dazu dienen irgendwelche Zwecke zu erreichen. Hierbei spielt es keine Rolle um welche Art von Zweck es sich handelt. Kant spricht in diesem Zusammenhang auch von Belehrung und Unterweisung.
III. Zivilisierung (soziale Kompetenzen und Haltungen als Basis für gesellschaftliches Zusammenleben)
In Gegensatz zur Kultivierung geht es hier nicht um das erlernen sachbezogener Fähigekeiten, sondern um das Erlernen sozialer Kompetenzen, die für das gesellschaftliche Zusammenleben erforderlich sind. Er spricht hier auch von Manieren, Artigkeit und Klugheit.
IV. Moralisierung (Gesinnungserziehung nach allgemeinen moralischen Gesetzen und Maximen
vgl. ‚kategorischer Imperativ‘)
Laut Kant die wichtigste Stufe in der Erziehung. Seiner Meinung nach seien die drei vorherigen Stufen in der pädagogischen Praxis (seinerzeit) im ausreichenden Maße vorhanden.
Bei der letzten und vierten Stufe geht es nicht um äußere Fähigkeiten oder Verhaltensweisen, sondern um das Innere des Menschen. Die Kinder sollen zum denken lernen, ermutigt werden, um selbst moralische Entscheidungen treffen zu können. So sollte Niemand ein bestimmtes Verhalten vermeiden, nur weil es verabscheut wird, sondern man sollte es durch denken selbst verabscheuen, dadurch meiden und damit eigene Entscheidungen treffen. In dieser Phase wird auch oft der kategorische Imperativ verwendet. Dieser bedeutet so viel wie: handele so, dass dein handeln jederzeit zur allgemeinen Gesetzgebung werden könnte.
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Weiterführende Literatur:
Hans-Christoph Koller (2012). Grundbegriffe, Theorien und Methoden der Erziehungswissenschaft - Eine Einführung. Stuttgart: Kohlhammer
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